Orthopädische Gelenk-Klinik

Chronische Außenbandinstabilität führt zur Instabilität im Sprunggelenk

Definition der chronischen Außenbandinstabilität

Eine alte Bandverletzung, meist der Außenbänder, ist die Ursache der chronischen oberen Sprunggelenksinstabilität. Folge ist eine vermehrte Bewegungsfähigkeit des Sprungbeines in der sogenannten Malleolengabel, der aus Schienbein und Wadenbein gebildeten Sprunggelenksgabel.

Funktion der Außenbänder am Sprunggelenk

Das Außenband besteht aus drei Bandanteilen, die in der Gelenkkapsel des oberen Sprunggelenkes liegen. Wie alle Bänder gehören sie zu den sogenannten passiven Stabilisatoren, das heißt, auch ohne Muskelkraft wird hier das Sprunggelenk normalerweise in seiner anatomischen Lage gefestigt.

Hier wird ein vorderes, hinteres und mittleres Außenband unterschieden.

Alle Außenbänder haben eine Befestigung am Wadenbein. Sprungbein liegenden Fersenbein gibt zusätzlichen Halt. Das Sprungbein als direktem oberen Sprunggelenk beteiligter Knochen wird hier durch das vordere und hintere Außenband befestigt. Ein zusätzlich vorhandenes mittleres Außenband zwischen Wadenbein und unter dem darunter liegenden Sprungbein.

Symptome der Chronischen Aussenbandinstabilität

Welche Symptome der chronischen Sprunggelenksinstabilität soll der Patient möglichst früh abklären lassen?

Im Rahmen der Mehrbeweglichkeit im Sprunggelenk kommt es häufig zu einer Reizung der vorderen Weichteile mit Entzündung der Gelenkschleimhaut.

Dies führt für den Patienten häufig zu Beschwerden - dumpfes ziehen, Schwellung - nach der Belastung des Sprunggelenks.

Insbesondere, wenn nach sportlicher Belastung am Abend ein dumpfes Gefühl im Sprunggelenk vorhanden ist, welches erst am nächsten Tag oder im Verlauf von 1-2 Tagen abklingt, ist von einer zusätzlichen Entzündungsreaktion im Sprunggelenk auszugehen.

Teilweise wird auch eine veränderte Stellung des Fußes festgestellt, andere Fersenstellung oder eine Abflachung des Fußlängsgewölbes in Abhängigkeit der vorhanden Verletzung.

Kranheitsverlauf bei der chronischen Aussenbandinstabilität

Die Beschwerden der Patienten werden sehr unterschiedlich angegeben. Sie reichen von einer leichten Missempfindung, Unsicherheit des Beines oder auch einer Angst, erneut umzuknicken. Die Symptomatik geht hin zu einer Schiefstellung mit begleitenden, immer wiederkehrenden Umknickverletzungen.

Die Wahrnehmung des Patienten ist hier, wahrscheinlich auch von der Fußform, Spreiz-, Senk-, Knick- oder Hohlfuß abhängig.

Wichtigster Hinweis auf Instabilität ist das permanente erneute Umknicken des betroffenen Sprunggelenks.

Diagnose und Untersuchung der chronischen Aussenbanbinstabilität

Einstieg in die Diagnose ist die Anamnese, also die Schilderung des Unfalltraumas.

Dann wird im Rahmen der klinischen Untersuchung die chronische Sprunggelenksinstabilität beurteilt.

In sitzender Position, am hängenden Bein mit entspannter Muskulatur, kann hier das Sprunggelenk bei Aussenbandinstabilität aus dem Gelenkspalt des Sprunggelenks gezogen werden.

Die Zugrichtung ist hier nach vorne im Sinne eines Vorschubes oder Zuges des Sprungbeines aus der Gabel des Prunggelenks. Man spricht hier vom Schubladentest.

Zusätzliche Stellungsänderungen im Spitzfuß lassen hier gezielte Untersuchungen zu.

Die Rotation, Drehbewegung des Sprungbeines in der Gabel ist ein weiterer wichtiger Faktor im Rahmen der Stabilitätsuntersuchung.

Zusätzlich kann das untere und obere Sprunggelenk auch gegen Verkippung der Ferse nach innen (Varusverkippung) untersucht werden.

Eine Testung des hinteren Aussenbandandanteiles durch Rückschub des Sprungbeines ist häufig wenig erfolgreich, da aus anatomischen gründen ein Schubladenphänomen nicht auslösbar ist.

Zusätzlich zur klinischen Untersuchung können Muskeluntersuchungen im Rahmen einer EMG-Messung Podometrie, ergänzend untersucht werden.

Wichtige bildgebende Verfahren sind Röntgenaufnahmen im Stehen zum Ausschluss größerer Fehlstellungen.

Dazu gehört eine Röntgenuntersuchung der Fersenstellung in der sog. Saltzmann-Aufnahme.

Auch auch Dokumentation durch gehaltene Röntgenaufnahmen können zum Teil sinnvoll sein.

Als undifferenziertere Untersuchungen ohne genaue Festlegung der Zugrichtung ist diese Aufnahme obsolet geworden.

Die Kernspintomographische Untersuchungen kann ebenfalls bei der Beurteilung der Sprunggelenksinstabilität helfen.

Wesentliches Ziel des untersuchenden Arztes bei der Sprunggelenksinstabilität ist es, langanhaltende Mehrbeweglichkeiten im Sprunggelenk durch Chronische Aussenbandinsuffuzienz rechtzeitig zu erkennen.

Eine klare Aussage über möglicherweise verlängerte Bandstrukturen innen oder außen am Sprunggelenks sidn das Ziel der Diagnose.

Anatomisch eine Schädigung der aktiven Stabilisatoren auszuschließen sowie Begleitfehlstellungen des Fersenbeines oder zu behandelnde Fußfehlstellungen zu erkennen.

Ziele der Physiotherapie bei chronischer Aussenbandinstabilität

Eine Sprunggelenksinstabilität bedeutet eine Schädigung der passiven Stabilisatoren (der Bänder). Diese sollten durch die Muskulatur als aktiven Stabilisatoren kompensiert werden. Dazu wird in der Physiotherapie der Ausgleich der vorhandenen Schädigung durch die Muskulatur erfolgen.

Ein wesentlicher Teil der Instabilität ist auch durch die schulung Eigenwahrnehmung und Aufbau einer schnellen muskulären Reaktionbeim Umknicken zu behandeln.

Physiotherapeutische Diagnose und Eingangsunersuchung

Der Typ der chronischen Instabilität des Sprunggelenkes, entweder mit Talusvorschub oder mit vermehrter Rotationsinstabilität, ist zu erkennen. Dann kann durch Eigenübung (Sprunggelenksschule) eine möglichst gezielter Therapieansatz entwickelt werden.

Hier werden im Rahmen der Sprunggelenksschule die Eingangsuntersuchung aus einem sogenannten Balance Board durchgeführt. Im Rahmen der Testung kann hier die sogenannten Propriozeption (Eigenwahrnehmung) gemessen und im Verlauf kontrolliert werden.

Wann wird bei chronischer Außenbandinstabilität operiert?

Operationsindikation ist die unzureichende Besserung nach Durchführung spezieller Sprunggelenkübungen, die im Rahmen der Sprunggelenkschule vermittelt werden.

Primär wird zuerst im Rahmen einer Gelenkspiegelung die vorhandene Knorpelsituation genauestens abgeklärt und andere Begleitverletzungen dargestellt. Auch im Rahmen der Narkose wird eine Untersuchung der Sprunggelenksstabilität ergänzt um festzustellen, inwiefern die Bandrekonstruktionen notwendig sind und wie eine Bandrekonstruktion für das vorhandene Gewebe erfolgen kann. Der Ausschluss einer Begleitfehlstellung ist vor der Operation bereits erfolgt.

Behandlungsziel bei Operation der Chronischen Aussenbadbdinstabilität

Ziel der Operation ist die Wiederherstellung der Stabilität im Sprunggelenk um die Schädigung des Gelenkknorpels durch chronisches Umknicken und Mehrbeweglichkeit im Sprunggelenk zu vermeiden.

Die Drehinstabilität (Rotationsinstabilität) führt typisch zu inneren Schädigung am Knorpel, manchmal auch zu einem lateralen (seitlichen) vorderen Knorpelschaden im Sprunggelenk.

Operationstypen: Bandrekonstruktion, Bandtransplatation, Umstellungsoperation

Bandrekonstruktion

Bandrekonstruktion, wenn immer möglich mit lokal vorhandenem Gewebe (an Stelle eines autologen Transplantats. Wenn das nicht möglich ist, werden Knochenhautlappen oder verfügbare Sehnentransplantate verwendet.

Umstellungsosteotomie

Je nach Fehlstellung im Sprunggelenk ist hier auch eine knöcherne Korrektur durch Umstellungsosteotomie unabdingbar.

Fersenbeinosteotomie

Eine Fersenbeinfehlstellung bei Instabilität muss auch eine Abklärung der sog. Wadenbeinsehnen nach sich ziehen. Diese können zur Instabilität im Sprunggelenk beitragen. Nach einer Operation der Außenbänder können die Wadenbeinsehnen weiterhin zur Instabilität führen und eine persistierende Instabilität nach der Außenbandplastik Operation bedingen.

Ziel der Sprunggelenksschule: Früherkennung von Instabilität im Sprunggelenk

Die Sensibilisierung von Patient und Physiotherapeuten ist das Ziel unserer Sprunggelenksschule.

Durch den zunehmenden Einsatz von Sprunggelenksprothesen im oberen Sprunggelenk werden mehr und mehr die eigentlichen bekannt. In den letzten Jahrzehnten wurden hier häufiger typische Erkrankungsmuster einer Arthrose beobachtet, die in Abhängigkeit von Bandschäden im frühen Lebensalter eingetreten sind. Wir sehen heute die Abhängigkeit verschiedene Arthrosemuster im Sprunggelenk von der chronischen Sprunggelenksinstabilität. Häufig manifestiert sich die Arthrose im Verlauf von etwa 25-35 Jahren nach der eigentlichen Verletzung, wenn eine bleibende Sprunggelenksinstabilität zurückgeblieben ist.

Für die Verbesserung der Prognose und Vermeidung solcher schweren Arthrosefällen bei langbestehenden chronischen Sprunggelenksinstabilitäten ist vor allem die Frühbehandlung der ussebnabdruptur nach Sprunggelenkdistorsion wichtig.

Die heute oft als gültig angesehene Aussage, bei einer Umknickverletzung sei eine Therapie nicht notwendig, ist aus dieser Sicht äußerst kritisch zu bewerten.

Ziel der Sprunggelenkschule ist hier, eine frühzeitige Erkennung der Außenbandbedingten Instabilität durch spezielle Ausbildung von Physiotherapeuten und durch entsprechende Patientenaufklärung zu erreichen.

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Stabilisierende Übung zur Kräftigung der Aussenbänder

Halbtageskurs für Patienten - Aktivprogramm für schmerzfreie Füße.

"Fehlbelastungen selbst beheben."

Termin

26. Oktober 2017

07. Dezember 2017

Zeit:
9:00-13:00 Uhr

Seminar Anmeldung

Fuss- und Sprunggelenk

Dr. Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie an der Orthopädischen Gelenk-KlinikDr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie

Tel: 0761 55 77 58 0

Alte Bundesstrasse 58

79194 Gundelfingen

E-Mail:
info@gelenk-klinik.de

Fortbildung

Ganztageskurs für Ärzte und Physiotherapeuten:

Spezialisierte Diagnose und Therapie an Fuß- und Sprunggelenk

Termin:

  • Samstag, 29.10.2016