Orthopädische Gelenk-Klinik

Angeborener Knick-Plattfuß bzw. Knick Senkfuß (Pes planus)

Definition der angeborenen Knick-Plattfuß-Fehlstellung

Der angeborene Knick-Senkfuß ist eine seltene, immer angeborene Fehlbildung des Fußes. Es kommt zu einer Fehlbildung von Gelenk, Weichteilen und Knochen mit der Folge einer schweren, nicht ausgleichbaren Knick-Plattfuß-Fehlstellung im Fuß. Die Ferse steht nach außen, der vordere Fuß steht außen neben der Fußlängsachse und ein Fußlängsgewölbe ist nicht vorhanden. Der Fuß ist stark verformt und wird daher auch als "Tintenlöscher Fuß bezeichnet" nach der Form eines früher verwendeten Tintenlöschers.

Begriffe und Terminologie

  • Angeborener Knick-Plattfuß,
  • Schwerer Plattfuß
  • Talus verticalis
  • Tintenlöscher Fuß
  • Platypodie
  • Luxatio pedis sub talo medialis
  • Talipes convex
  • Pes valgus
  • Pes planus congenitus
  • Rocker bottom foot
  • Congenital convex pes valgus

Morphologie: Wie sieht der angeborene Plattfuß aus?

Der Talus verticalis also angeborene Plattfuß ist eine nicht ausgleichbare Fehlstellung des Fußlängsgewölbes. Das Gelenk vor dem oberen Sprunggelenk, das sog. "TNG" oder das Talonavikulare Gelenk (Sprungbein-Kahnbein Gelenk) ist nicht normal geformt. Dieses Gelenk steht in einer ausgekugelten oder in einer fast ausgekugelten Fehlstellung (Luxation/Subluxation des Talonavikulargelenks).

Dies bedeutet, dass der Kahnbeinknochen (Os navikulare) nach oben in einer massiven Fehlstellung steht. Die Fehlstellung gleicht sich bei Bewegung des Fußes nicht aus. Das Sprungbein (der Talus) steht hierbei nicht annähernd horizontal sondern, wie der Name Talus verticalis sagt, vertikal. Die benachbarten Gelenke sind oder werden im Verlauf ebenfalls ausgekugelt oder werden bald auskugeln.

Der Fuß hat eine deutlich deformierte Form, zumindest im fortgeschritten Zustand der Fußreifung. Beim Neugeborenen fällt diese Fehlstellung nicht unbedingt gleich auf.

Die Form wird durch die nach unten gewölbten Fußsohle beschrieben: Man spricht daher vom Schaukelfuß.

Der Vorfuß steht dabei nach außen verdreht. Der Fuß knickt nach innen, dabei liegt das Fußlängsgewölbe auf dem Boden auf. Die Ferse steht nach außen (X-Stellung der Ferse). Am Fußinnenrand und am Fußlängsgewölbe steht der Sprungbeinknochen stark hervor. Durch die Achillessehnenverkürzung ist ein Hochstand der Achillessehne zu beobachten. Der Rückfuß (Fersenbereich) steht verdreht.

Wie kommt es zum angeborenen Knick-Senkfuß?

Die Erkrankung ist mit etwa 1:10000 Neugeborenen relativ selten. Sie kommt mit 50% Wahrscheinlichkeit gemeinsam mit einer anderen Fehlbildung zusammen vor. Der Rest ist auf den Fuß beschränkt.

Die genaue Ursache ist leider nicht bekannt. Es scheint eine sehr hohe Rate an erblichen (genetischen) Verursachung des angeborenen Plattfuß zu geben.

Im Rahmen der Embryonalentwicklung während der Schwangerschaft kommt es in der 7. Woche zu einer Absenkung des Fußes im Mutterleib.

Diese Absenkung des Fußgewölbes scheint bei Patienten mit angeborenem Plattfuß auszubleiben.

Teile des Fußes bleiben in dieser Stellung mit angenähertem Fußrücken am Schienbein. Auch eine sog. Zwangslage im Mutterleib (Engstellung oder übermäßiger Druck) im letzten Schwangerschaftsdrittel ist als Ursache diskutiert worden.

Entwicklung und Verlauf der angeborenen Plattfußerkrankung

Die bei Geburt vorhandene Plattfuß-Fehlbildung kann sich im Verlauf der frühkindlichen Reifung des Fußes noch verschlechtern. Ohne Behandlung ist die Steh- und Gehfähigkeit der Betroffenen Patienten stark beeinträchtigt. Die Belastung der Fußes ohne Hilfsmittel ist fast unmöglich. Die Probleme der Fehlstellung des Fußlängsgewölbes werden mit zunehmendem Alter zu Arthrose im Sprunggelenk und den Fußgelenken und Überlastungbeschwerden führen mit Zunahme der Mobilitätseinschränkung.

Unbehandelt ist der Talus vertikalis eine voranschreitende Erkrankung mit zunehmender Fehlstellung und Verstümmelung des Fußes.

Im Verlauf treten zudem Hautschädigungen an den überbelasteten Anteilen auf.

Diagnose und Untersuchung

Die Diagnose der angeborenen Knick-Plattfußes wird klinisch - also durch Untersuchung des Gangbildes - gestellt. Eine Rötgenuntersuchung zeigt die Fehlstellung der Knochen und die Gelenkstellung im Fuß.

Die detaillierte Messung von Achsen im Röntgenbild hilft bei der quantitativen Einschätzung der Knick-Plattfußes.

Das Sprungbein steht vertikal, das Kahnbein auf Höhe des Sprungbeinhalses und nicht, wie normal, in dem Gelenk zwischen den beiden Knochen: Die Stellung der Gelenke kann in Röntgenaufnahme in Beuge- und Streckstellung seitlich am besten beurteilt werden und hilft bei der Einteilung der Erkrankung. Die Spitzfußstellung kann hier ebenfalls beurteilt werden. Diese Informationen sind wichtig für eine Therapieplanung.

Unterschieden werden müssen der bewegliche oder flexible Knick-Senkfuß oder Knick-Plattfuß. Beim flexiblen Plattfuß kann sich das Fußlängsgewölbe beim Zehenstand ausgleichen.

Die Röntgendarstellung lässt eine klare Unterscheidung zwischen den beiden Plattfußtypen zu. Auch der neurogene Knick-Plattfuß ist zu unterscheiden. Die Ähnlichkeit mit dem sog. Hackenfuß ist nur wegen des Fersenhochstandes (durch die Achillessehnenverkürzung) vorhanden.

Konservative Behandlung des Knick-Senkfußes

Ziel der konservativen Behandlung des angeborenen Platfußes ist eine normale Wiederherstellung der Gelenkverhältnisse und der Knochenstellung zu erreichen. Damit soll ein schmerzfreier, auf der ganzen Fußsohle gleichmäßig belastbarer Fuß entstehen. Die Funktion des Fußes sollte normal sein. Die Therapie sollte möglichst früh beginnen. Ein Therapiebeginn vor dem 4. Lebensjahr ist dringend notwendig.

Hier ist - wie bei der Klumpfußbehandlung - die Redressions-Gipsbehandlung wichtig. Die Fehlstellung soll durch die Gipsbehandlung stufenweise gebessert und schließlich aufgehoben werden. Die Methode ist schonend und schon seit Jahren erprobt. (sog. "Umgekehrte Ponsinetti Methode").

Wann kann eine Operation noch helfen?

Wenn durch konservative Verfahren nur eine unzureichende Korrektur der angeborenen Knick-Plattfußstellung erreicht wird, ist eine Operation erforderlich.

Ziel der Operation des angeborenen Knick-Plattfußes

Das Kahnbein-Sprungbein-Gelenk soll wieder in die richtige Stellung (reponieren des Talonavikularen Gelenkes) gebracht werden. Dies wird mit Drähten fixiert. Dann wird durch eine Raffung und Verkürzung der ausgedehnten inneren Gewebe (Kapsel, Bänder, Sehnen) die Korrektur unterstützt. Auch benachbarte augekugelte Gelenke müssen eingerichtet werden.

Erreichen eines plantigrad, d.h. auf der ganzen Fußsohle belastbaren Fußes. Die Operation soll nach der Korrektur zu Freiheit von Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Fehlstellung des Fußes führen.

Operationsverfahren beim angeborenen Plattfuß

  • Reposition der Gelenke ohne Versteifung.
  • Weichteilraffung auf der Innenseite des Sprunggelenkes und Fußes.
  • Sehnentransfer zur Unterstützung der Korrektur, die vordere Schienbeinsehne wird auf das Sprungbein gesetzt. Der normale Ansatz auf dem Kahnbein verstärkt die Fehlstellung.
  • Achillessehnenverlängerung

Kann mit diesen Maßnahmen keine Korrektur erreicht werden, besonders bei spätem Behandlungsgbeginn, dann muss man, um noch eine Verbesserung der Stellung und damit eine Veränderung der Fußform zu erreichen, eine Entfernung von Fußwurzelknochen und oder eine gleichzeitige Versteifung durchführen.

Hier kann teilweise auch eine Subtalare-, eine Double- oder auch eine Triplearthrodese notwendig werden.

Die Versteifungen, die hier gemeint sind, beziehen sich auf das untere Sprunggelenk. Sie erlauben aber eine weitere Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk und damit auch ein normale Gehen. Eingeschränkt ist der Fuß bei versteiftem unteren Sprunggelenk beim Gehen auf unebenem Gelände.

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Dr. Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie an der Orthopädischen Gelenk-KlinikDr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie

Tel: 0761 55 77 58 0

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